PQC-Sommer-Sprint, Quick Win 1 von 10 – zum Auftakt der Serie
Jede PQC-Migration beginnt mit derselben Frage: Wo wird in unserem Unternehmen überhaupt asymmetrische Kryptografie eingesetzt? Die ehrliche Antwort lautet in den meisten KMU: „Vermutlich überall, aber so richtig wissen wir es nicht.” Das vollständige Inventar ist Aufgabe eines späteren Migrationsprojekts. Für unseren Sprint brauchen wir die Inventur Light: einen guten Überblick in einem Arbeitstag.
Wozu eine Light-Variante reicht
Ein vollständiges Krypto-Inventar listet jede Bibliothek, jeden Schlüssel und jede Konfigurationszeile. Das ist Wochen- bis Monatsarbeit. Für die Strecke der nächsten Wochen reicht eine Übersicht über die Stellen, an denen Sie als Unternehmen aktiv etwas drehen können: die Internet-exponierten Dienste, die wichtigsten internen Server, die genutzten Cloud-Plattformen und die kryptografisch relevanten Endgeräte-Klassen. Diese Light-Inventur ist die Grundlage für jeden weiteren Quick Win dieser Strecke – und sie ist später nicht weggeworfene Arbeit, sondern Startpunkt der vollständigen Inventur.
Die vier Spalten Ihrer Tabelle
Legen Sie eine einfache Tabelle an – Excel, Confluence oder ein gut gepflegtes Markdown-Dokument tun es. Vier Spalten reichen:
- Asset: Welcher Dienst, welcher Server, welches Endgerät, welcher Cloud-Tenant?
- Wer ist verantwortlich?: Intern (Person/Team) oder extern (Dienstleister/Hersteller)?
- Welche Krypto ist im Einsatz?: TLS-Version und Cipher Suite, SSH-Algorithmen, Signaturverfahren des Zertifikats, Hash-Funktionen.
- PQC-Stand: Heute noch klassisch / hybrid möglich / hybrid aktiv / unbekannt.
Diese Tabelle ist nichts Schönes – sie ist Arbeitsmaterial für den Rest des Sprints.
Die wichtigsten Quellen für die Light-Inventur
Sie kommen erstaunlich weit, ohne ein einziges kostenpflichtiges Werkzeug:
- SSL Labs Server Test für jede öffentlich erreichbare Website und API: zeigt TLS-Versionen, Cipher Suites, Zertifikatsalgorithmen und Hash-Verfahren auf einen Blick.
- testssl.sh für internes Scannen, wo Sie SSL Labs nicht hinschicken können (Intranet, interne APIs, Mailserver). Open Source, läuft auf Linux/macOS.
ssh -Q kexundssh -Q sigauf einem aktuellen OpenSSH zeigen, welche Schlüsselaustausch- und Signaturverfahren der Client kennt – ein erster Indikator für die Versions-Landschaft.- Asset-Inventar des Endpoint-Managements (Intune, Jamf, Workspace ONE oder Vergleichbares) für die Browser- und OS-Versionen Ihrer Endgeräte.
- Vertragsunterlagen mit Cloud- und SaaS-Anbietern – mehr für die spätere Quick-Win-Etappe zu Lieferanten-Roadmaps, hier nur einsammeln.
Was Sie an einem Tag realistisch erfassen können
In acht Stunden erreichen Sie typischerweise:
- Alle öffentlich erreichbaren Dienste (Website, Webshop, Webmail, Kunden-Portal, Remote-Zugang) mit TLS- und Zertifikatsdaten.
- Die drei bis fünf wichtigsten internen Server (Domain Controller, Fileserver, ERP-Frontend, interne CA, Backup-Server).
- Die genutzten Cloud-Plattformen, jeweils mit Anbietername, Hauptdiensten und Verantwortlichem im Haus.
- Den groben Versionsstand der Standard-Endgeräte (Browser, OS).
Das ist die Light-Variante – und sie reicht für unseren Sprint.
Was Sie diese Woche tun sollten
- Tabelle aufsetzen, vier Spalten anlegen, Verantwortlichen für die Inventur benennen.
- Eine SSL-Labs-Reihe für alle öffentlich erreichbaren Dienste fahren und Ergebnisse in die Tabelle übernehmen.
- testssl.sh auf einem internen Admin-System bereitstellen und gegen die drei bis fünf wichtigsten internen Endpunkte laufen lassen.
- Liste der Cloud- und SaaS-Anbieter zusammenstellen – Vertragsdetails kommen später, für jetzt reicht der Name und der Hauptdienst.
- Erkenntnisse im IT-Team vorstellen: Wo überrascht es? Wo sind weiße Flecken? Diese Stelle ist ein guter Moment, um die Geschäftsführung in fünf Minuten mitzunehmen.
Fazit
Eine Krypto-Inventur Light ist kein Audit und kein Compliance-Nachweis. Sie ist die Landkarte, mit der Sie die nächsten neun Quick Wins gezielt umsetzen können – und der erste konkrete Beleg dafür, dass PQC in Ihrem Haus angekommen ist.
Wer keine Karte hat, navigiert blind; wer eine Light-Karte hat, sieht zumindest die wichtigen Straßen.
regelwerker begleitet mittelständische Unternehmen bei Informationssicherheit und Compliance – hemdsärmelig, handwerklich, ohne Beraterprosa. Sprechen Sie uns an.