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· Claus Lindemann

BSI A5: KI-Prüfkatalog im Community Draft – jetzt mitreden bis 31. August

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Anfang Juli hat das BSI den Community Draft zum A5 – AI Audit and Assurance Assessment Architecture veröffentlicht. Bis zum 31. August 2026 läuft die öffentliche Konsultation. Das ist das Zeitfenster, in dem Unternehmen, Prüfer und Anwender aus der Praxis noch echten Einfluss auf den kommenden Prüfmaßstab für vertrauenswürdige KI-Systeme nehmen können – bevor A5 in die Verabschiedung geht und wie C5:2026 zum Standardwerkzeug in Beschaffung und Aufsicht wird.

Dieser Beitrag ist ein bewusst kurzer Vorspann: Wir ordnen den Draft ein, verweisen auf die Original-Dokumente und geben einen Ausblick darauf, wie wir das Thema begleiten werden.

Was A5 ist – und wen es adressiert

A5 ist eine modulare Prüfarchitektur für KI-Systeme. Sie soll die Vertrauenswürdigkeit einer KI systematisch und standardisiert bewertbar machen – vergleichbar mit dem, was C5 seit 2016 für Cloud-Dienste tut. Zielgruppe ist die gesamte KI-Wertschöpfungskette: Entwickler, Betreiber, Aufsichtspersonen und Beschaffungsverantwortliche.

Die Kriterien orientieren sich am Stand der Technik und werden von Anfang an doppelt veröffentlicht: als Dokument (PDF) und maschinenlesbar im OSCAL-Format (JSON). Das ist mehr als eine Formalie – es entscheidet darüber, ob der Katalog in GRC-Werkzeugen lebt oder als PDF in Sharepoint-Ordnern versauert.

Der modulare Aufbau

Der A5 folgt einem Baukastenprinzip: Ein horizontales Basismodul deckt die grundlegenden Vertrauenswürdigkeits-Anforderungen ab, die für jedes KI-System gelten. Darauf setzen vertikale Betriebsmodule auf, die den technischen und regulatorischen Kontext berücksichtigen. Im aktuellen Draft sind zwei Bausteine öffentlich:

  • Horizontales Trustworthiness-Basismodul – die kanonischen Anforderungen an KI-Vertrauenswürdigkeit
  • Betriebsmodul Cloud-Infrastruktur – Ergänzungen für KI-Systeme, die in Cloud-Umgebungen betrieben werden

Weitere Module (etwa für andere Betriebsumgebungen oder branchenspezifische Kontexte) werden im weiteren Prozess folgen.

A5 überträgt die C5-Idee auf KI: modular, methodisch nach ISAE 3000 geprüft, maschinenlesbar in OSCAL.

Prüfmethodik: dieselbe DNA wie beim C5

Die Prüfmethodik folgt dem International Standard on Assurance Engagements ISAE 3000 – demselben Rahmenwerk, das seit Jahren hinter C5-Testaten und SOC-2-Berichten steht. Für die Praxis heißt das: A5-Prüfungen werden von Wirtschaftsprüfern durchgeführt, mit einer belastbaren, international anerkannten Methodik. Die Erwartung an die Typen (Angemessenheit vs. Wirksamkeit über einen Prüfungszeitraum) dürfte sich strukturell parallel zu C5 entwickeln.

Damit wird A5 kein Sonderweg neben den etablierten Prüfstandards, sondern reiht sich in die vertraute Assurance-Landschaft ein. Wer C5-Prozesse aufgebaut hat, hat einen Großteil der operativen Basis bereits vorbereitet.

Maschinenlesbar in OSCAL – warum das mehr ist als Nice-to-have

Das BSI liefert das A5-Basismodul und das Cloud-Betriebsmodul zusätzlich zur PDF-Fassung als JSON-Pakete im OSCAL-Format aus. OSCAL (Open Security Controls Assessment Language) ist ein NIST-Standard zur maschinenlesbaren Beschreibung von Sicherheitskontrollen, Profilen, Prüfplänen und Prüfergebnissen. Konkret ermöglicht das:

  1. Direkter Import in GRC-Werkzeuge: Kataloge müssen nicht manuell aus PDFs abgetippt werden. Moderne GRC-Plattformen konsumieren OSCAL nativ.
  2. Cross-Framework-Mapping: A5-Kontrollen lassen sich strukturiert mit den Anforderungen aus ISO 42001, KI-Verordnung, C5:2026 und NIS-2 verlinken – statt jede Zuordnung in einer neuen Excel-Datei nachzupflegen.
  3. Prüfplanung und -ergebnisse als Daten: OSCAL definiert nicht nur Kataloge, sondern auch assessment-plan und assessment-results. Prüfumfang, Evidenzverweise und Ergebnisse liegen strukturiert vor – auditierbar und maschinell auswertbar.
  4. Continuous Assessment: Automatisierte Checks können Ergebnisse laufend gegen die A5-Profile spiegeln. Compliance wird zur Datenspur statt zum Jahresprojekt.
  5. Beschaffungsprozesse: Anbieter können A5-Nachweise als OSCAL-Dokumente liefern; Beschaffer prüfen maschinell, ob der geforderte Umfang tatsächlich abgedeckt ist.

Der Katalog wird zudem strukturell mit der Stand-der-Technik-Bibliothek des BSI verzahnt – einem seit Herbst 2025 öffentlichen GitHub-Repository, in dem das BSI seine Vorschriften und Richtlinien maschinenlesbar bereitstellt. Wer heute schon mit BSI-Grundschutz oder C5 in OSCAL arbeitet, kann A5 ohne Werkzeugbruch anschließen.

Die A5-Dokumente im Überblick

Alle Bestandteile des Community Drafts sind auf der BSI-Themenseite zu A5 verfügbar:

Konsultation bis 31. August 2026 – jetzt mitwirken

Community Drafts sind kein Feigenblatt. Wer in dieser Phase konkret und belegt Rückmeldung gibt, verbessert nachweislich die Endfassung – und spart sich später Reibung im eigenen Prüfprozess.

Konkret geht das so: Kommentare werden strukturiert in der Kommentierungstabelle (Excel, siehe oben) erfasst und bis zum 31. August 2026 an aisecurity@bsi.bund.de geschickt. Sinnvoll adressierbar sind zum Beispiel:

  • Praktikabilität einzelner Kriterien: Wo wird der Aufwand-Nutzen-Punkt verfehlt? Welche Anforderungen sind bei realistischen Deployment-Formen kaum belegbar?
  • Widersprüche oder Doppelungen zur KI-Verordnung, zu ISO 42001, C5:2026 oder branchenspezifischen Standards.
  • Fehlende Module: Welche Betriebsumgebungen oder Anwendungsdomänen brauchen ein eigenes vertikales Modul?
  • Prüfmethodik: Sind die vorgesehenen Nachweisformen für Ihr Umfeld tragfähig? Wo braucht es Ergänzungen für Continuous Assessment oder automatisierte Prüfungen?

Für ISBs, CISOs und Beschaffungsverantwortliche mit KI-Bezug ist die Konsultation eine der günstigsten Investitionen im Compliance-Kalender: ein paar Stunden Zeit jetzt sparen später Auslegungsdiskussionen mit dem Wirtschaftsprüfer.

Ausblick: Serie nach der Verabschiedung

Sobald das BSI die finale A5-Fassung veröffentlicht, gehen wir hier in eine dreiteilige Serie – Aufbau des Katalogs, Prüfmethodik im Detail und ein praxisorientierter Blick auf das OSCAL-Format samt Werkzeugkette. Bis dahin lohnt sich der Blick in die Original-Dokumente und – wenn Sie können – die Beteiligung am Community Draft.


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